Von Lukas Schauder:

„PEGIDA: Eine Gefahr für die Abendlandkultur?

Seit Oktober 2014 demonstrieren wöchentlich die ´Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes´. Anfangs nur in Dresden, inzwischen auch in einigen weiteren deutschen Großstädten. Auf Facebook folgen über 75.000 Leute dieser Bewegung.

Ihre Ziele und Forderungen haben sie nun auf ihrer Facebook-Seite veröffentlicht, allerdings bleibt es hier bei hohlen Phrasen. Ihre eigentlichen Forderungen werden auf den Demos oder in Kommentaren deutlich: Dort wettern sie stets in dümmlicher Manier gegen „den Islam“ an sich, gegen Asylbewerber und die „gleichgeschaltete Systempresse“.

Insbesondere im Hinblick auf den Anteil der Muslime in Dresden, der ganze 0,4 Prozent beträgt, wird deutlich, wie irrational die Ängste der Demonstrierenden sind.

Noch absurder wirkt die Forderung nach einer „Null-Toleranz-Politik gegenüber straffällig gewordenen Asylbewerbern und Migranten“, gestellt vom Justizflüchtling und Initiator der Bewegung Lutz Bachmann.

Außerdem frage ich mich in diesem Zusammenhang, was die Demonstrierenden eigentlich unter „christlich-jüdischen Werten“, die sie ja angeblich verteidigen, verstehen?

Etwa nicht Nächstenliebe, Gleichbehandlung und Vergebung? Gerne würde man ihnen zurufen „Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein“ (Joh 8,7).

Aber für diese Werte, die unsere moderne Gesellschaft so sehr prägen, interessiert sich PEGIDA nicht. Diese Werte tritt PEGIDA jeden Montag mit den Füßen! Sie selbst sind eine Gefahr für die sogenannte „Abendlandkultur“.

Dass diese Bewegung von einer widerlichen Doppelmoral geprägt ist und rassistische Ressentiments bedient, ist allerdings keine neue Erkenntnis. Trotzdem ist es wenig zielführend, wenn die Politik PEGIDA pauschal als rechtspopulistischen Unsinn abtut. Dadurch wird die seltsame, geradezu sektiererische Gruppendynamik nur weiter befeuert.

Stattdessen müssen wir uns die Frage stellen, warum so viele Menschen gegen Ausländer auf die Straße gehen. Klar ist, man hat sich in der Kommunikation um Flüchtlingsheime oft schlecht angestellt. Klar ist auch, dass sich die Demonstrierenden vom Staat alleingelassen und nicht ernstgenommen fühlen.

Deswegen ist es gerade jetzt wichtig, dass man diese populistischen Inhalten PEGIDAs, die Rassismus wieder salonfähig machen, stets mit sachlichen Argumenten entkräftet und den Anhänger*innen trotz allem respektvoll begegnet.

Denn in einem Punkt haben die Demonstrierenden sogar Recht. Es fehlt ein Haufen Geld in unseren Sozialkassen. Schuld daran sind allerdings keine Migranten, denn jeder Ausländer zahlt pro Jahr durchschnittlich 3300 Euro mehr Steuern und Sozialabgaben als er an staatlichen Leistungen erhält.

Verantwortlich sind unter anderem Unternehmen wie Apple, Starbucks und Amazon, die in Deutschland zwar Milliardengewinne erzielen, aber praktisch keine Steuern zahlen! Darum fehlen in der deutschen Staatskasse circa 50 bis 60 Milliarden Euro.

Das wäre ein Grund, warum wöchentlich Tausende auf die Straße gehen sollten, statt in der Weihnachtszeit gegen einen Akt der Nächstenliebe zu demonstrieren!“

Für den Inhalt des Kommentars ist die/der jeweilige Autor*in verantwortlich. Er spiegelt nicht zwingend die Meinung der Grünen Jugend Main-Taunus wider.