Am morgigen Sonntag, den 23. April, findet im Main-Taunus-Kreis die Wahl des künftigen Landrates statt. Dabei stellt sich vielen – gerade jungen – Wähler*innen die Frage, ob und wen sie wählen können, damit ihre Interessen in Zukunft vertreten werden.
Um bei dieser Frage zu helfen, hat die Grüne Jugend Main-Taunus im Vorfeld an die Kandidaten von CDU, SPD und Linke einen Fragenkatalog gesendet, um ein differenzierteres Bild von ihren Zielen zu erhalten, hierbei haben wir als Jugendverband den Fokus auf Themen gelegt, welche eben diese Zielgruppe besonders interessieren könnten.
Im Anschluss befinden sich die Antworten von Georg Einhaus und Fritz-Walter Hornung.

Leider konnten unsere Fragen auf Grund von Zeitmangel vom amtierenden Landrat Michael Cyriax nicht rechtzeitig beantwortet werden.
Wir bedanken uns für die Antworten und hoffen, dass dadurch ein besserer Eindruck über die Kandidaten entstehen konnte.
Unabhängig davon wie die Wahl ausgeht ist es uns natürlich ein großes Anliegen, das möglichst viele Leute von ihrem Wahlrecht gebrauch machen und ihre Stimme morgen abgeben.

Frage 1: Wie schätzen Sie die Angebote an offener und mobiler Jugendarbeit, an Jugendkoordination sowie an Jugendsozialarbeit und Schulsozialarbeit im Landkreis ein. Was wird sich nach Ihrer Wahl zum Landrat verändern?

Einhaus: Die einzige wirkliche Unterstützung gibt der Kreis bei der Schulsozialarbeit. Offene und mobile Jugendarbeit werden von den Kommunen alleine getragen, ebenso jegliche Jugendsozialarbeit. Um dieses zu verbessern, ist ein höherer Einsatz von geschulten und erfahrenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Voraussetzung. Darüber hinaus sollten Jugendliche besser für den Umgang mit sozialen Medien vorbereitet werden.

Hornung: Diese Angebote will ich deutlich ausbauen. Ziel muss sein, die schulische und außerschulische Jugendarbeit zu einem flächendeckenden Freizeit-, Bildungs- und Beratungsangebot zu vernetzen und auszubauen. Schulsozialarbeit soll es als wohnungsnahes Angebot an allen Schulen geben. Schulen und Einrichtungen für Kinder, die immer länger als ganztägige Einrichtungen arbeiten sollen, sollen räumlich so gestaltet werden, dass gemeinsames Lernen, Entspannung, Sport und Spiel dort auch gelebt werden können.

Frage 2: Der Main-Taunus-Kreis gehört zwar zu den einkommensstarken Landkreisen, nichtsdestotrotz gibt es auch hier Kinder- und Jugendarmut. Halten Sie die derzeitigen Maßnahmen für ausreichend und was wird sich ändern?

Einhaus: Außer den üblichen SGB-Leistungen tut der Kreis nichts. In Schwalbach gibt es zum Beispiel den Verein Kindertaler, initiiert von Nancy Faeser und überparteilich getragen. Dieser finanziert sich alleine über Spenden und unterstützt einkommensschwache Kinder bzw. Familien in den Fällen, in denen es keine staatliche Hilfe gibt. Zu nennen sind hier Schulfreizeiten, bei Sportschuhen, bei Schulsachen, etc. Als zukünftiger Landrat werde ich hierfür deutlich mehr finanzielle und personelle Mittel zur Verfügung stellen.

Hornung: Die Kinder- und Jugendarmut kann zwar der Kreis mit den ihm zur Verfügung stehenden Instrumenten leider nicht abschaffen (hier ist insbesondere der Bundesgesetzgeber gefragt), aber er kann und muss die vielen negativen Konsequenzen mindern, wie unzureichende Teilhabe am gesellschaftlichen Leben oder verminderte Bildungschancen.Ich will den Ausbau der Kindertageseinrichtungen zu Kinder- und Familienzentren für eine umfassende wohnungsnahe Kinderförderung und -bildung und Elternberatung von Geburt an. Die Kleinkindbetreuung muss nicht nur erheblich günstiger (bei der Höhe der Elternbeiträge liegt der Main-Taunus-Kreis hessenweit mit an der Spitze) sondern für Einkommensschwache unentgeltlich sein

Frage 3: Wie wird sich die Mobilitätssituation der jungen Menschen im Main-Taunus-Kreis mit Ihnen als Landrat verändern, insbesondere im Hinblick auf Radverkehr und ÖPNV?

Einhaus: Wie bereits angekündigt, werde ich einen Radschnellweg erstellen und weiter Fahrradwege bauen. Darüber hinaus plane ich, 1.200 Mietfahrräder im gesamten Kreis unter der Federführung des MTV anzubieten (vgl. dem System ‚Call a bike‘). Am Ende meiner Amtszeit werden 20 % des Busverkehrs durch Hybrid- oder Elektrobusse erbracht. Ein weiterer Schwerpunkt wird die Schaffung von Querverbindungen (z.B. Eppstein-Kelkheim) sein.

Hornung: Beim Radverkehr ist der MTK auf das Land (Planung/Planfeststellung überörtlicher Radwege) und die Gemeinden (Anlage innerörtlicher Radwege, Radfahrerschutzstreifen, Fahrradabstellplätze) angewiesen. Der Kreis muss bei kreiseigenen Gebäuden wie Schulen für Fahrradweganschluss und sichere Abstellmöglichkeiten sorgen.Beim ÖPNV trete ich für niedrigere Tarife im RMV ein, die auch denen zugutekommen, die nicht vom landesweiten Schülerticket profitieren. Wichtig ist aber nicht nur, dass Bahn und Bus bezahlbar sind, sondern auch, dass sie überhaupt fahren. Busse müssen auch werktags nach 20 Uhr und am Wochenende fahren. Insbesondere nach der Einführung des durchgehenden S-Bahn-Verkehrs im RMV-Gebiet ab August 2018 muss es auch Busanschlüsse geben.

Frage 4: (Wie) werden Sie die Beteiligungsrechte junger Menschen stärken?

Einhaus: In zahlreichen Kommunen gibt es bereits Kinder- und Jugendparlamente. Es spricht nichts dagegen, eine solche Struktur auch auf Kreisebene einzuführen. Darüber hinaus setzte ich mich auf Bundes- und Landesebene dafür ein, das Alter für eine Wahlberechtigung auf 16 Jahren zu verringern.

Hornung: Wie und wo die Beteiligung junger Menschen gestärkt werden kann, möchte ich mit den jungen Menschen gemeinsam entscheiden. Ich habe ein offenes Ohr für deren Wünsche und lade alle interessierten Jugendlichen ein, mir zum Beispiel über facebook oder per E-Mail, aber auch auf traditionellem Wege und im persönlichen Gespräch mitzuteilen, welche Ideen sie hierzu haben und wo sie den größten Bedarf für mehr Mitsprache sehen.

Frage 5: Verschiedene rechtspopulistische und -extreme Organisationen, unter anderem die Identitäre Bewegung oder das Antikapitalistische Kollektiv, zeigen sich anschlussfähig für junge Menschen. Wie wird sich der Landkreis Main-Taunus mit Ihnen als obersten Repräsentanten des demokratischen Staates in dieser Angelegenheit mit Blick auf die Jugendarbeit verhalten?

Einhaus: Seit meiner Jugend lehne ich jede Form von rechter Hetze ab. Dieses hängt sicherlich auch damit zusammen, dass mehrere Mitglieder aus der Familie meines Vaters Opfer des nationalsozialistischen Terrorregimes waren. Aus meiner Sicht müssen wir noch mehr Aufklärungsarbeit leisten, wie schrecklich und menschenverachtend die Verbrechen der Nationalsozialisten in der Zeit von 1933 – 1945 waren.

Hornung: Meine klare Position und aktiver Einsatz gegen jede Form von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit und erst Recht gegen offen faschistische Bewegungen wie die beiden genannten stehen sicher außer Zweifel. Daran würde sich durch die Wahl zum Landrat nichts ändern.

Frage 6: Welche integrationsfördernden Maßnahmen wird es in der Jugendarbeit mit Ihnen als Landrat geben?

Einhaus: Derzeit gibt es so gut wie keine Ganztagsschulen im Main-Taunus-Kreis. Dieses Angebot möchte ich deutlich erhöhen, um insbesondere die Integration von jungen Menschen in die Gesellschaft zu verbessern.

Hornung: Die Integration von Geflüchteten und Migrant_innen ist eine umfassende Aufgabe und betrifft alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens. An vorderer Stelle steht aber dabei der Spracherwerb. Sprach- und Alphabetisierungskurse müssen wohnortnah stattfinden und gebührenfrei sein und sollen sich auch an schon länger im Kreis Wohnende richten. Kinder- und Familienzentren (siehe Frage 2) bieten sich hier besonders an. Die Voraussetzungen, dass Kinder und Jugendliche von Geflüchteten in Sportvereinen u.ä. aktiv werden, müssen verbessert werden, zum Beispiel auch durch eine zeitlich befristete Übernahme von Mitgliedsbeiträgen durch den Kreis. Gemeinschaftsunterkünfte (wie zum Beispiel der Kastengrund in Hattersheim) müssen deutlich besser durch den ÖPNV erschlossen werden.

Frage 7: Nachhaltige Stadtplanung – Wie soll der Main-Taunus-Kreis in 20 Jahren aussehen, im Hinblick auf Flächenversiegelung, innerstädtische Grünflächen, etc.?

Einhaus: Aus meiner Sicht ist es ganz entscheidend, dass wir den Durchgangsverkehr aus unseren Städten bekommen. Hierdurch entstehen gerade bei den Straßen gute Möglichkeiten, durch eine entsprechende Bepflanzung grün in die Städte zu bringen.

Hornung: Der MTK muss sich dafür einsetzen, dass das Land strukturpolitisch umsteuert: Förderung der strukturschwachen Regionen, die attraktiver gemacht und damit vor dem endgültige „Ausbluten“ bewahrt werden müssen. Das heißt: Schaffung bzw. Wiederherstellung von Infrastruktur und damit die Förderung von Gewerbeansiedlungen, wodurch gleichzeitig das „Ballungsgebiet Rhein-Main entlastet wird, auch in Hinblick auf den Druck auf den Wohnungsmarkt und den drohenden Verkehrsinfarkt.

Während in Nord- und Mittelhessen Wohnraum verfällt und leer steht, wird Lebensqualität durch weitere innerörtliche Verdichtung und Ausdehnung in der Fläche (mit Flächenversiegelung in beiden Fällen) z. B. im dichtbesiedelten Main-Taunus-Kreis tendenziell immer mehr verschlechtert. Dem muss aktiv entgegengesteuert werden.
Für eine solche Strukturpolitik werde ich mich gegenüber dem Land einsetzen und versuchen, hierfür Verbündete zu gewinnen.

Frage 8: Warum sollen ausgerechnet junge Menschen Sie zum Landrat wählen?

Einhaus: Junge Menschen im Main-Taunus-Kreis bewegt insbesondere das Thema bezahlbarer Wohnraum. „Kann ich hier eine Familie gründen? Wo ziehe ich hin, wenn ich von zu Hause ausziehe?“ sind Fragen, die mir in den letzten Wochen mehrfach gestellt wurden. Mit meiner Wohnungsbauoffensive zur Schaffung von 3.000 neuen Wohnungen gebe ich hierauf eine klare Antwort.

Hornung: Weil ich mich für eine Gesellschaft einsetze, die zukunftsfähig ist: Solidarisch, sozial, ökologisch.

Stellungnahme Michael Cyriax: Leider ist es mir aufgrund des sehr engen Terminkalenders in den letzten Tagen vor der Wahl am Sonntag nicht mehr möglich Ihre Fragen zu beantworten.

Gerne möchte ich die gute Zusammenarbeit mit BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Main-Taunus-Kreis fortsetzen. Wir haben in den letzten Jahren gut zusammengearbeitet und stimmten in vielen Politikfeldern überein. Das war auch der Grund, für die neu gebildete Koalition. Es gibt noch einiges zu verbessern. Ich bin zuversichtlich, dass uns dies in unserem Bündnis und meiner Arbeit gelingen wird.